Ausbildung zum Ruachla – Teil 1

Wie bei so vielen anderen begann unsere Kletterkarriere mit einem Kletterkurs. Auslöser für unser Interesse an einem ebensolchen waren die Klettersteige, die wir nicht ohne das nötige Wissen um die Sicherungstechnik begehen wollten. Damals hat das Feuer, das so viele Kletterer bewegt, auf uns übergegriffen. Nun ja, in Klettersteigen findet ihr uns heute nicht mehr, viel eher in einer der Kletterrouten, die nebenan hochziehen.

Gerne denken wir an die Abende zurück, in denen uns Heinz auf kreative Weise die Grundbegriffe der sicheren Fortbewegung in der Vertikalen vermittelte. Er hat es geschafft, uns in der kurzen Zeit nicht nur für das Thema Klettern zu begeistern, sondern gab uns auch Einblick in die Philosophie, die dahinter steckt.

Wie sieht so ein Kursabend heute aus? Was hat sich verändert im Laufe der Jahre? Sind wir noch am letzten Stand?

Um dies herauszufinden statten wir Heinz und seinen diesjährigen Kletterschülern einen Besuch ab. Was steht heute am Programm?

Bevor es soweit kommt werden wir auch schon eingeteilt. Da gibt es Fotos von zwei 8000er Bergen an die Wand zu kleben, ein paar Sicherungshaken dazu zu schrauben und Expressen vorzuhängen.

Es ist 18:30 – die ersten Kursteilnehmer kommen und beginnen sich aufzuwärmen. Waren wir damals auch solche Streber? Klar doch! Ich kann mich gut daran erinnern, wie Heinz uns am Ende einer Kurseinheit fast zur Türe rauschieben musste, weil wir nicht aufhören wollten. Wir haben jeden Abend in uns aufgesogen, wollten nichts versäumen und zu allem Wissen, das uns vermittelt wurde, hats uns auch noch richtig Spaß gemacht. Wir sind schon neugierig was uns heute erwartet…

Heinz bittet uns noch ein paar Toperopeseile einzurichten, die Kletterhalle füllt sich allmählich. Nachdem wir damit fertig sind geht es auch schon los. Wir werden der Gruppe vorgestellt, ernten neugierige Blicke und mischen uns unter die anderen.

Bei unserer ersten Übung geht es um ökonomisches Klettern, Ausdauer ist gefragt. Heinz zückt ein Wildschwein aus Plüsch und erklärt uns, was zu tun ist. Wir werden in der Halle verteilt, so dass jeder ein bis zwei Züge Raum zur Verfügung hat. Ein Teil von uns darf sich nur frontal bewegen, der Rest nur eingedreht. So steigen wir in die Wand und Heinz lässt das Wildschwein von einem zum anderen weiterreichen. Dabei darf weder das Plüschtier, noch einer der Kletterer den Boden berühren, ansonsten beginnt die Übung von vorne. Es vergehen einige Minuten, bis das Wildschwein beim letzten angekommen ist. Eine spürbare Erleichterung geht durch den Raum, als dieser das Tierchen in die Hand nimmt. Doch haben wir uns zu früh gefreut, jetzt muss es wieder zurückgebracht werden. Die ersten beginnen zu stöhnen, nach einer gefühlten Ewigkeit gebe ich das Wildschwein an meinen Nachbarn weiter, bald darauf erreicht es wieder seinen Ausgangspunkt. Wir haben es geschafft und alle freuen sich!

Der Weg zum XI. Grad, so lautet unsere zweite Übung. Start und Zielgriffe sind fix vorgegeben, den Weg dazwischen darf sich jeder in mehreren Anläufen selbst suchen. Alle paar Griffe erreichen wir einen höheren Grad. Doch die Kletterei wird anstrengender und selektiver. Jetzt zeigt sich, wer mit seinen Kräften gut haushalten kann und den geschicktesten Weg wählt.

Wie leicht könnte ich mir heute meinen ersten XIer erhaschen?!

Als nächstes hat sich Heinz etwas besonderes einfallen lassen. Die Besteigung eines 8000ers!

Aha, dafür haben wir also die Fotos zu Beginn in die Kletterwand geklebt!

Nanga Parbat oder Annapurna, wir haben die Wahl. Nein, halt – wir beide nicht. Denn wir sind heute nur die Sherpas, und diese werden ja bekanntlich vom Expeditionsleiter angeheuert. So warten wir geduldig, wo uns das Schicksal hinverschlagen wird.

Die Teams sind aufgestellt, die Expeditionsleiter gewählt, die Sherpas bestellt. Nach sorgfältiger Aufteilung des Materials und der Verpflegung beziehen wir die Ausgangspunkte. Von dort aus geht es in drei Etappen zum Gipfel.

Als gar nicht so einfach erweist sich der sichere Transport der benötigten Ausrüstung. Um diesen zu gewährleisten gilt es, die Schlüsselstellen technisch abzusichern. Fixseil, Trittleiter, Jümarbügel – wie nutze ich diese Hilfsmittel wirklich effizient? Unsere Lösung ist wohl nicht die beste, das zeigt sich gleich beim ersten Durchstieg.

Das Fixseil hängt durch, und so wird der Weg beschwehrlich. Das fordert seinen Preis und bald machen sich erste Ermüdungserscheinungen breit. Doch die Gruppe hält zusammen und schafft es bis zum Hochlager. Von hier aus muss in Seilschaft geklettert werden.

Mit geschultertem Rucksack und dicken Handschuhen heißt es vorzusteigen. Allen Anstrengungen zum Trotz feiern beide Teams kurz darauf den Gipfelsieg.

Gipfelsieg

Reichen die Reserven aller Teilnehmer für einen sicheren Rückzug ins Basislager?
Noch einmal werden alle Kräfte mobilisiert und nun auch etwas klüger die technischen Hilfsmittel genutzt.

Gerade rechtzeitig zum Hallenschluss kurz nach 21:00 sind alle wohlauf, erschöpft aber zufrieden, von der Expedition heimgekehrt.

Ein spannender und lehrreicher Abend in der Kletterhalle geht zu Ende. Was erwartet die Teilnehmer beim nächsten Mal?

Schade eigentlich, dass wir nicht dabei sein werden…

Fortsetzung folgt!

Kursbesuch am 17. Februar 2012, Angelika & Markus

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2 Gedanken zu „Ausbildung zum Ruachla – Teil 1

  1. Pingback: Ausbildung zum Ruachla – Teil 2 | Kletterclub D'Smaragdler

  2. Die Dürnsteiner Outdoor-Saison ist bereits gestartet! Liebe Kletterkursler, bald habt ihr Gelegenheit frische Klettergartenluft zu schnuppern! Wir wünschen euch viel Spaß beim Kursabschluss am echten Fels!

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