Weg der Smaragdler

War es anfangs die Idee einen Ausflug zu machen und auf altbekannten Wegen den früher oft begangenen Dürnsteinergrat zu erkunden, entwickelte sich bald schon etwas ganz anderes – ein Projekt…. der Smaragdlerweg!

Eine Verlängerung nach unten und oben ergibt ganze 19 Seillängen und 370m Kletterstrecke an bestem Wachauer Gneis mit immer wieder neuen und eindrucksvollen Ausblicken auf die umliegenden Sportkletterfelsen, eingebettet in die malerische Landschaft der Wachau. Die Schwierigkeit ist in Summe etwas leichter als die des bereits zum Klassiker gewordenen Wachauergrats, doch zeichnet den Smaragdlerweg durch seine abwechslungsreiche Linie und zum Teil für Sportkletterer ungewohnten Kletterstellen ein ganz anderer Charakter aus.

Bereits bei der Absicherung merkt man schnell, dass „Cleanclimbing“ im Vordergrund steht, Bohrhaken findet man nur dort vor, wo es nicht möglich ist Selbstsicherungen anzubringen.

Klettertechnisch wird man nicht zu sehr gefordert sein, selbst die Schlüsselstelle (6-) lässt sich A0 etwas leichter machen. Die eigentlichen Herausforderungen liegen oft an leichteren Stellen, welche hauptsächlich mit dem Kopf zu meistern sind.
Dazu zählen zwei Sprünge, Kaminklettereien und auch Überfälle in luftiger Umgebung, manche im Nachstieg sogar anspruchsvoller, wenn das Seil wieder nach unten führt.

Alpines Plaisierkletterfeeling mitten im Dürnsteiner Ruinenklettergarten!

Als wir Ende letzten Jahres die Tour fertiggestellt hatten, fehlte uns genau ein Tag für die Erstbegehung bei optimalem Wetter. Doch es wollte nicht sein, wir versuchten es trotzdem.

28.12.2011
Zwei Teams standen am Einstieg, Franz und Heinz – Angelika und ich. Es war einer dieser typischen Wintertage in der Wachau. Trüb, nebelig, feucht, 4 Grad sowie Nieselregen, der zu dem Zeitpunkt einsetzte, als ich meine ersten Klettermeter die Schifferkante hochstieg. Der Fels war nicht nur kalt, sondern auch wie Schmierseife…


1. SL - Schifferkante

16.3.2012
Erneut stehen wir unten und blicken die Schifferkante hinauf. Was vor fast drei Monaten nicht geklappt hat wollen wir heute schaffen. Die Bedingungen sind diesmal perfekt dafür. Bereits beim Zustieg mußte ich mir meinen Pullover ausziehen. Heute begleitet uns Heinz mit seiner Kamera um unsere erste komplette Begehung mit Bildern einzufangen.

Die ersten Seillängen gehen problemlos, kein Vergleich zu damals, wo Reibungstritte nicht gehalten haben. Vom Plattenpfeiler (Schlüsselstelle) schau ich hinauf zum Dickkopf, wo Heinz mit seiner Kamera Position bezogen hat. Unten beginnt es mit einem Überhang, der sich aber überraschend leicht machen lässt. Dann der Einstieg in die Platte, wo die Griffe kleiner werden, gut dass hier jetzt Haken gebohrt sind!


5. SL - Angelika im Überhang vom Plattenpfeiler

Als nächstes wartet der „Feine Riss“ auf uns. Es gibt nur einen Haken ganz oben beim Ausstieg, bis dahin helfen 2 Friends im Riss weiter. Eine wunderschöne Kletterei, die uns auf den luftigen Grat führt. Der strahlend blaue Himmel begrüßt uns dort.


7. SL - Feiner Riss

28.12.2011
Ich spüre es schon nass durch die Kletterschuhe und Angelika friert seit der 5. Seillänge. Die Hände schon etwas taub sichere ich sie hinauf auf den Grat. Jetzt kommt die eigentliche Herausforderung – die beiden Sprünge über die Sägezähne. Am Tag zuvor haben wir sie noch mit Turnschuhen und ungesichert gemacht, doch heute ist alles anders. Der Fels ist rutschig, ich wähle daher vorsichtshalber die leichtere Variante und springe beim ersten Felsen auf die linke Seite. Heinz hat diesen Sprung kurz vorher von ganz oben gemacht – Respekt!
Nun noch der zweite, etwas weitere Sprung hinüber auf die Lorelei, dort mache ich Stand und Angelika ist an der Reihe.


8. SL - Franz bereitet sich zum Sprung vor

16.3.2012
Heinz steht unter mir mit der Kamera im Anschlag. Ich überprüfe nochmals die Bandschlinge um den Felskopf und richte mich auf. Von ganz oben sieht alles viel spektakulärer aus. Wie weit würde ich fallen, wenn ich am Felskopf gegenüber nicht optimal lande und abrutsche? Habe ich genug Seil in der Hand, damit ich wärend des Sprunges nicht zurückgezogen werde? Am Foto sieht man, dass es mehr als genug war.


1...2...3... Sprung!

Ich lande sicher und steige die anschließende Platte hoch. Beim zweiten Sprung warte ich nochmals auf Heinz und nach seinem Kommando bin ich auch schon drüben.

Jetzt kommt Angelikas grosser Auftritt. Hier haben wir damals die Tour abgebrochen. Zu kalt, zu gefährlich, zu wenig Zeit. Franz und Heinz waren schon zwei Seillängen weiter, doch selbst für die beiden sollte es ein Wettlauf gegen die bald hereinbrechende Dämmerung werden.

Angelika baut meine sorgfältig gelegt Bandschlinge wieder ab, bereitet sich vor und springt, super! Bald schon stehen wir uns gegenüber, dazwischen ein weiter Abbgrund. Was steht hier in der Bewertung… 3+ ???
Ich glaube, wenn sie die Wahl hätte, dann würde sie jetzt lieber eine 7- im Vorstieg machen. Diese Seillänge wird im Kopf gewonnen und Angelika ist siegreich!
Wieder entspannt steigt sie die nächste Seillänge über die Lorelei und den Adlerfels vor.


9. SL - Kindl und Lorelei

Danach folgen drei genussvolle Plattenklettereien, die erste beginnt direkt beim Wanderweg wo man an schönen Tagen neugierig beobachtet wird.

Beim Narrenturm wird es wieder spannend.


Überfall auf den Narrensessel

Jetzt heißt es vorsichtig abklettern und hinaus zur Narrenturmkante queren. Auch dieses Stück kommt einer Schlüsselstelle gleich. Erreicht man daraufhin den oberen Teil der Narrenturmkante, hat man nichts mehr zu befürchten – nein halt…!

 
14. SL - Narrenturm

Wir sind oben aber wie kommen wir wieder runter? Klar, auf der anderen Seite durch den Narrenturmkamin. Zuvor ein Überfall auf den Edelweißturm. Kleine Leute könnten denken sie würden jetzt durchfallen aber es geht sich alles aus. Dem Nachsteiger blüht dann der ungesicherte(!) Abstieg, es sei denn er fädelt am obersten Haken zuvor um.


15. SL - Angelika im Narrenturmkamin

Der Denstaudenfels zeigt sich von zwei Seiten. Im Cleanclimbingstil hinauf und mittels zwei Haken wieder runter. Ich muss mich ganz schön strecken um den Letzten von unten aushängen zu können.

Beim Hahnenkamm hat man drei Varianten um hinüber zu kommen: links hangeln, rechts hangeln oder oben drüber. Ich wähle Letzteres und balanciere zwei bis vierhändig los.
Danach kommt ein unangenehmer abdrängender Kamin hinunter, dieser fordert sämtliche Stemm- und Stütztechniken… eh nur 2+ !


28.12.2011 - Franz kurz vorm Abstieg

Angelika macht es mir nach und posiert für Heinz, der von der Dreifingerspitze aus fotografiert.


17. SL - Angelika auf dem Hahnenkamm

Vorsichtig steigt auch sie ab, nun ist es nicht mehr weit!

Ein weiterer Kamin führt auf die Dreifingerspitze. Dieser wird nach oben hin immer weiter und somit ausgesetzter. Oben angelangt lässt man sich zum Ausstieg hinüberfallen, von wo man einen tollen Blick auf die Kletterfelsen und die Ruine dahinter geniessen kann.

28.12.2011
In der Abenddämmerung klettern Heinz und Franz den Ausstiegskamin hoch. Wir haben bereits unsere Sachen eingepackt und begleiten die Beiden mit unserer Fotokamera. Es wird jetzt mit jeder Minute kälter. Erschöpft aber glücklich über die gelunge Erstbegehung kommen sie oben an. Wir freuen uns mit ihnen, der Smaragdlerweg ist eröffnet.


Heinz in der Abenddämmerung

Erstbegeher - Franz und Heinz

16.3.2012
Angelika steigt vor, ich komme als zweiter oben an.


18. SL - Dreifingerspitze

Heinz hat hier mittlerweile ein Steigbuch in einer selbstgemachten Holzkiste deponiert, darin durften wir uns nun mit der Nummer 7 eintragen.


Geschafft - schöne Holzkiste mit Steigbuch!

Nach 3,5 Stunden freuen wir uns, wenn auch etwas müde, über den gelungenen Durchstieg und wissen jetzt schon, dass wir bald wieder hier antreten werden.

Dieser Weg ist ein großartiges Erlebnis!

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