Verklemmte Angelegenheit

In der Wachau stolpert man des öfteren über Kletterrouten, welche nur teilweise oder möglicherweise überhaupt nicht eingebohrt sind. Solche Routen sind selbst abzusichern.

Selbst Absichern… ?

Die meisten sind den Sicherheitsstandard einer Kletterhalle gewohnt und viele davon stellen sich daher die Frage, warum gerade in einer leichteren Tour (zBsp. Riss oder Kamin) auf Bohrhaken verzichtet wurde. In der heutigen Zeit der Akkubohrmaschinen ist es ja nicht mehr notwendig Haken sparsam zu setzen, das würde doch die Sicherheit beim Sportklettern erhöhen und dem heutigen Stand entsprechen?!

Das Klettern mit mobilen Sicherungen ist jedoch weder veraltet, noch wird man bei gut gelegten Haltepunkten schlechter gesichert sein, als in einer mit Haken eingerichteten Route. Clean-Climbing ist eine in letzter Zeit wieder modern gewordene Spielart des Klettersports und nicht nur für nervenstarke Kletterprofis gedacht.

Ein besonderer Reiz besteht darin, einen Felsen gesichert von unten zu erklettern, ohne dabei Spuren zu hinterlassen. Die Abhängigkeit von Bohrhaken fällt weg, Sicherungen können da gesetzt werden, wo man sie selbst benötigt. An heiklen Kletterpassagen ist es auch gut, mehr als nur einen Fixpunkt anzubringen, was wiederum die Sicherheit und die Moral des Vorsteigers erhöht. Wer das Legen mobiler Klemmgeräte beherrscht, kann damit auch bestehende eingebohrte Routen zusätzlich absichern, sowie einfache Stände redundant aufbauen.

Das alles setzt natürlich die entsprechenden Gegebenheiten im Fels, sowie eine fachkundige Handhabung der mobilen Sicherungen voraus. Wie fast immer macht auch hier die Übung den Meister, eine entsprechende Einführung in das Thema ist aber von Vorteil.

Bei einem unserer Clubtreffen kamen wir wieder einmal auf dieses Thema zu sprechen. So ist zBsp. ein Friend (Camalot) beim „Linken Ruachlaweg“ notwendig, um im Riss weiter oben gesichert zu sein. Auch der „Smaragdlerweg“ setzt bei mehreren Seillängen Kenntnisse in der mobilen Sicherungstechnik voraus.

Es entstand die kurzfristige Idee, für interessierte Clubmitglieder einen Workshop mit Peter Dunst, welcher mit der mobilen Sicherungstechnik bestens vertraut ist,  zu veranstalten. Innerhalb nur weniger Tage hat sich eine Gruppe von 9 Teilnehmern dazu angemeldet…

*****

Es ist Samstag früh und ich schaue vom Bett aus den Regentropfen zu, wie sie leise auf das Dachfenster fallen, um sich dann in kleinen Bächen ihren Weg hinunter zu suchen. Das Wetter war zwar nicht gut angesagt, der Regen macht jedoch die Vorstellung endgültig zunichte, dass wir heute noch mit Klemmkeilen gesichert auf den Felsen in Dürnstein herumklettern werden.

Nach einem gemütlichen Kaffee rufe ich mal Peter an. Wir entscheiden uns trotzdem zum Treffpunkt zu kommen um dort gemeinsam zu beratschlagen, was wir tun werden. Dann holen wir noch zwei Teilnehmer ab und erreichen eine halbe Stunde später den Parkplatz beim Bahnhof Dürnstein. Es regnet noch immer aber im Osten lockern die Wolken bereits wieder auf. Also machen wir uns auf den Weg zum Denstaudenfelsen.

Die Luft riecht würzig und wenn man etwas Bewegung macht, dann wird einem auch bei diesem Wetter bald wieder warm. Auf dem Weg über die Ruine wird locker geplaudert. Bald schon haben wir unser Ziel erreicht.

Peter hat einen großen Rucksack mit, da packt er jetzt seine verschiedenen Klemmgeräte aus. Keile, Hexentrics, Friends, Camalots und wie noch die ganzen Teile heißen, werden nun in verschiedenen Größen hergezeigt und erklärt.

Wir erfahren dabei nicht nur viel über die Funktion und die Anwendung der mobilen Sicherungen, sondern auch geschichtliche Hintergründe, Entwicklungen und vieles mehr, worauf wir achten sollten.

Dann geht es ans praktische Üben. Wir suchen uns geeignete Stellen, an welchen wir die verschiedenen Sicherungsmittel anbringen können. Peter schaut sich unsere Versuche an, beurteilt und gibt Ratschläge. Nach einigen gelegten Keilen oder Friends bekommen wir langsam ein Gefühl für mögliche Positionen im Fels. Ein großer Klemmkeil wird sogar so gut im Riss platziert, dass es hinterher nur mit viel Mühe gelang, diesen wieder zu entfernen.

Nach diesen ersten Übungen geht es ans Klettern. Der „Taubenriss“ und der „Destaudenriss“ werden dabei mit Klemmkeilen und Friends (Camalots) eingerichtet. Zur Übung hat Peter hier sehr viele Fixpunkte gelegt und die beiden Touren sind am Ende bestens gesichert.

Abwechselnd klettern wir die beiden Routen, belasten die mobile Sicherung und das Vertrauen in die Klemmgeräte wächst dabei immer mehr. Selbst der inzwischen einsetzende Nieselregen macht uns nichts mehr aus. Viel zu konzentriert sind wir am „Erkunden dieses Neulandes“.

So vergeht auch die Zeit und unser Workshop ist fast vorbei. Nachdem alle mit mobilen Sicherungen geklettert sind, packen wir unsere Sachen und wandern zurück zum Bahnhof.
Alles in allem war das ein interessanter Vormittag, an dem wir vieles für unsere zukünftigen Kletterausflüge gelernt haben.

Vielen Dank an Peter für sein Engagement!

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2 Gedanken zu „Verklemmte Angelegenheit

  1. Netter Artikel, Markus. Hat Spaß gemacht, wieder einmal
    mit alternativen Sicherungsmitteln zu hantieren…
    Bei Interesse könnten wir dies aus meiner Sicht gerne noch
    etwas weiterführen. Viele Grüße, Peter

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