Elbsandstein Teil 2

Samstag – 28. April 2012

Lautes Vogelgezwitscher sind die ersten Morgengrüße an diesem strahlend blauen und sonnigen Frühlingstag. Die Apfelbäume zeigen sich  gerade in voller Blütenpracht, vom Garten nebenan hört man ein Pferd wiehern – Landidylle pur.

Wir suchen in der Küche nach Tellern und Töpfen und decken auf der Terrasse ein üppiges Frühstück auf. Andi hat sogar Kaffee dabei. Ein perfekter Start in unseren ersten Klettertag.

Da wir noch etwas Zeit haben fahren wir zuerst nach Bad Schandau zum „Bergsport Arnold“, wo sich einige von uns mit Sicherungsmaterial oder mit einem der vielen Elbsandstein – Kletterführer versorgen. Arnold (selbst eine Kletterlegende von dort) ist nicht anwesend, aber dessen Frau plaudert mit Heinz über alte Zeiten und gemeinsame Kletterausflüge.

Auf gehts nun ins Bielatal, wir sind schon sehr gespannt!

Beim Parkplatz treffen wir den Rest der Gruppe und ergattern zum Glück noch einen der wenigen freien Plätze für unser Klettermobil.

Von dort sind die ersten Felstürme nicht weit und bald schon stehen wir in einer Schlucht umringt von mehreren aufrecht stehenden Wänden. Dieser erste Blick ist wirklich beeindruckend. Der zweite Blick sucht nach angebrachten Sicherungen (Ringe) und diese sind wirklich spärlich gesetzt. Viele davon erst in 10 – 15 m Höhe und dann erst der Abseilring am Turmgipfel.

Die Vorstiegsambitionen mischen sich etwas mit Zweifel und Respekt vor den steil wirkenden Sandsteintürmen. Nun heißt es Vertrauen gewinnen und vor allem überlegt und vorsichtig handeln.
Peter zeigt uns das legen von Knotenschlingen und danach entscheiden wir uns für eine Einstiegstour. Ein Teil der Gruppe bleibt beim „Schiefen Turm“, der andere schaut zu den legendären „Herkulessäulen“.

Bald schon klettern wir unseren ersten Sansteinturm hoch, zum einen mit viel Respekt, vor der Höhe und Ausgesetztheit, aber auch verwundert, wie gut hier Tritte und Griffe halten. Technisch sind wir vielen Klettereien hier sicher gewachsen, doch den Mut für solche Anstiege müssen wir uns erst langsam aneignen. Die schlanken Felstürme wirken wie filigrane Nadeln und auf der „Kleinen Herkulessäule“ hat man das Gefühl, dass der ganze Turm bei den Windböen leicht vibriert.

 

Der Erste Eintrag (mit obligatorischem Strich darunter) in ein Gipfelbuch und das Gruppenfoto auf der „Kleinen Herkulessäule“.

Mit etwas mehr Selbstvertrauen wagen wir uns über andere Türme, oft auf einem der leichtesten Anstiege – meist „Alter Weg“ genannt.

Interessant wird hierbei, wie sich der Blick beim Klettern verändert. Man sucht sich die beste gangbare Linie, sieht plötzlich Positionen, wo Schlingen, Knoten, oder Sanduhren angebracht werden können und in manchen Fällen entscheidet man sich dafür, dass es besser ist jetzt weiterzuklettern, als mühsam in der Wand eine halbherzige Sicherung einzurichten. Situationen also, die bei uns daheim undenkbar wären. Zu sehr hat sich das gut konsumierbare „Haken anklettern“ hier schon durchgesetzt.

Dabei erhalten im Elbsandstein selbst einfache Anstiege einen besonderen Charakter. Das Erklettern Solcher wird zu einem intensiven Erlebnis, selbst wenn man vom Kletterkönnen 2 Grade mehr als nötig beherrscht, geht man sehr respektvoll an den Fels.

Auch die Freude darüber, die Tour geschafft zu haben, ist hinterher unbeschreiblich.

Eine Platte im 3ten Grad „free solo“, der Chinesische Turm – eine Nadel mit sehr steil aussehenden Routen, der „leichteste Einser“ im ganzen Klettergebiet entpuppt sich als fast 30m hoher Kamin, wo die erste gute Sicherung in etwa 15m Höhe angebracht werden kann. Die filigrane Herkulessäule, die „Klettereien für Anfänger“ beim Schiefen Turm.

Der Tag vergeht wie im Flug und so packen wir müde unsere Sachen in der Abenddämmerung zusammen.

In der Nähe befindet sich ein Wirtshaus mit Gastgarten, wo wir uns noch bei gutem Essen und dem einen oder anderen „Feldschlößchen“ zusammensetzen und über unsere heutigen Erlebnisse plaudern, lachen und staunen.

Morgen geht es dann nach Schmilka ins „richtige Gebirge“ . Dort sind die Türme um einiges höher und auch der Zustieg dahin dauert länger.

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