Trekkingtour Indien – 28.08.2012 Base Ganda La 4300m

Heute früh erreichte mich eine Nachricht von Stephan, der derzeit in Indien unterwegs ist. Mit dabei ein Bericht über seine Trekkingtour. Diesen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Vielen Dank, Stephan, dass du uns auf diesem Wege teilhaben lässt an deinen Abenteuern!  (Angelika)

Leh 26.08. – Tag 1

Jeder Schritt schmerzt und der vollgepackte Rucksack drückt auf meine Schultern. Die Sonne brennt von oben und ich kann einfach nicht mehr.

Nach einer ganz gut durchschlafenen Nacht, habe ich mein Zeug gegriffen und mich auf die Suche nach dem Localbusstand gemacht. Mein Ziel war es, so günstig wie möglich nach Stok zu kommen, wo mein Solotrekkingabenteuer beginnen sollte. Nachdem ich vergebens an verschiedenen Stationen gesessen bin, geraucht habe und mich mit Local’s unterhalten habe, ob der Bus nach Stok nun noch kommen würde oder nicht, wann dies denn etwa der Fall sein könnte und ob er mir denn im entscheidenden Moment Bescheid geben könnte, habe ich mich fürs Taxi entschieden. Es ist zwar viel teurer, aber nach den Aussagen der Local’s der wohl sicherste Weg noch heute in Stok anzukommen und den Trek zu beginnen. Also ein Taxi gesucht und 270Rs für die Fahrt nach Choklamsur gezahlt. Mit dem Localbus hätte es bis Stok 45Rs gekostet und die Strecke ist doppelt so weit.

Man muss natürlich wissen, dass ein Taxi in Indien kein Mercedes mit Klimaautomatik ist. Wir sprechen von einem kleinen Bus der die Hälfte in der Breite und zwei Drittel in der Länge eines deutschen Taxis misst, aber dafür doppelt so viel transportieren kann. So scheint es mir zumindest.

Somit habe ich die Reise zu Fuß nicht in Stok, sondern schon in Choklamsur begonnen. Der Anfang kam mir wie eine Steinwüste vor. Zwar sind ab und zu links und rechts in vielleicht einem halben Kilometer Entfernung Autos vorbei gefahren, aber dem Eindruck einer kleinen Wüste konnte dies dennoch keinen Abbruch tun.

Stok besteht aus vereinzelt herum stehenden Häusern zwischen denen sich mein Weg hindurch schlängelt. In regelmäßigen Abständen gibt es die Möglichkeit, mit Hilfe alter Pumpbrunnen, an Wasser zu gelangen.

Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, ob es schädlich sein könnte das Wasser zu trinken. Man hat ja schon ein paar Geschichten gehört oder wie in Kashmir den ein oder anderen leiden sehen. Ich habe einfach mein Micropur dem Wasser beigemischt und weiter ging es. Wenn die Kehle schon beim Schlucken des eigenen Speichels trocken ist, freut man sich gerade bei dieser Hitze über jede Erfrischung.

Am Ende von Stok, wenn man links und rechts die ersten Erhebungen an Bergen hinter sich gelassen hat, kommt man zu einem weißen Zelt, dem sogenannten Trekking Point, bei dem eigentlich erst alles los gehen sollte. Na gut, ich war halt ein bisschen früher dran. Nach einer kleinen Rast und einem Gespräch mit ein paar einheimischen Leuten die sich um den Trekking Point versammelt hatten, bin ich dem Pfad in die Berge gefolgt.

Nun geht es also richtig los. Der Weg zieht sich an einem kleinen Bach entlang der später zu einem kleinen Fluss wird. Die Berge nehmen mit jedem weiteren Schritt Form neben mir an und man befindet sich nach kurzer Zeit in mitten der Ladakh Range wieder.

Nach etwas über einer Stunde dem Pfad folgend konnte ich schon nicht mehr. Ich bin jetzt vielleicht vier Stunden gelaufen und habe vorher noch eineinhalb Stunden verzweifelt den richtigen Bus ausfindig machen wollen und ich habe jetzt schon das Gefühl, dass ich aus meinen Trekkingschuhen kippe.

Vielleicht ist es die Höhe die meinem Körper zu schaffen macht, vielleicht ist es aber auch das ungewohnt schwere Gepäck auf dem Rücken. Bei der Fitness oder meinem Lebenswandel würde ich jetzt nicht unbedingt gleich einhaken, das funktionierte in Kashmir auch tadellos.

Zum Glück konnte ich in der Nähe ein kleines, grünes, ebenes Fleckchen ausfindig machen und das zu dem noch direkt neben dem Fluss. Kochen und Trinken sollte somit kein Problem darstellen. Mit zusammengebissenen Zähnen und Schweißperlen auf der Stirn habe ich mich die endlos scheinenden Meter bis zu meinem Nachtquartier gequält. Es scheint als wäre ich nicht der einzige der hier schon einmal campiert hat. Irgendjemand in der Vergangenheit muss schon einmal ein paar Steine zu einer kleinen Mauer aufeinander gelegt haben. Also ideale Bedingungen für meine erste Nacht in der Natur von Ladakh.

Es ist gar nicht so einfach seinen inneren Schweinehund zu überwinden, wenn man mit seinem Körper gerade nicht in hundert prozentigem Einklang ist. Aber nichts desto trotz wollte ich so schnell wie möglich meine Unterkunft herrichten. Rucksack auspacken ist angesagt. Und natürlich habe ich meinen Regenponcho, welchen ich als Dach benutzen wollte, vergessen, verloren oder er ist anderweitig abhandengekommen. Was bleibt einem in so einer Situation übrig? Zurück gehen? Auf keinen Fall. Man muss improvisieren. Mit Hilfe meiner Swissair-Flugzeugdecke, meinen Trekkingstöcken und etwas Wäscheleine musste es auch gehen. Wäscheleine an den Ecken einer Seite fest gemacht und diese an die Trekkingstöcke gebunden. Natürlich diese zuvor am Boden mit reichlich Steinen am Umkippen hindern. Die andere Seite mit der kleinen Mauer, wenn sie schon da ist und weiteren Steinen befestigen. Nur noch den Biwaksack hinlegen und gar nichts machen. Mein Herz ist gerast und meine Atmung war so schnell, hektisch und flach als wäre ich gerade einen Fünftausender hoch geklettert.

Jetzt hatte ich ein gutes Gefühl im Bauch hier angehalten zu haben. Normalerweise war mein Plan von Stok bis zur Base vom Namling La zu laufen. Jetzt ging es halt von Choklamsur nach Stok und ein bisschen weiter. Ich habe ja keine Eile oder jemanden der mir sagt ich soll dort zu der Zeit seien und zum Überleben habe ich auch alles bei mir.

Ich musste eine Stunde lang eingeschlafen gewesen seien. Als ich aufgewacht bin, fühlte ich mich immer noch nicht total fit, aber wesentlich besser als zuvor. Langsam wurde es Zeit mein Bett für die Nacht komplett herzurichten. Zwei Matratzen in den Biwaksack gelegt und meinen Schlafsack auch noch dazwischen geschoben und fertig ist die „Villa Outdoor“.

Mein Hungergefühl kam auch so langsam schleichend wieder und gab mir meine nächste Beschäftigung. Kochen! Reis mit Karotten, Broccoli und Erbsen stand heute auf meiner imaginären Speisekarte. Also zumindest gesund.

Aller Anfang ist schwer und so ist es halt auch mit dem Kochen in freier Natur. Wasser aus dem Fluss und geschnibbelt wird über dem Topf und natürlich schmeckte meine erste Mahlzeit etwas körnig. Man muss erst einmal wissen wo man das Wasser aus dem Fluss hernimmt und auch zu welcher Tageszeit. Am besten nicht gegen Nachmittag, um diese Zeit ist dank der Sonneneinstrahlung die Schneeschmelze am größten und somit das Wasser im Fluss am dreckigsten. Am besten ist es das Wasser dem Fluss zu entnehmen wo es gerade über einen Stein fließt. Somit lagert sich der meiste Sand vor dem Stein ab und das Wasser wird noch einmal einen Grad reiner und das Essen etwas weniger körnig.

Am meisten haben mich vor meiner Tour die Gedanken beschäftigt, was ich so machen würde, wenn ich alleine im Schlafsack liege. Zu Hause hörst du Radio, schaltest den Fernseher ein oder unterhältst dich mit jemand der grad da ist, aber hier ist nichts und niemand außer der Fluss neben mir. Ich weiß gar nicht wie ich ohne je wieder einschlafen kann. Die größte Leseratte bin ich auch nicht, aber vorsichtshalber habe ich doch ein Buch eingepackt. Also was zu tun? Versuchen eine bequeme Schlafposition zu finden und einzuschlafen. Es wird von links nach rechts gedreht, über den sich mit drehenden Schlafsack geflucht, noch einmal die komfortable Position aufgegeben weil man Etwas vergessen hat mit in den Biwaksack zu nehmen und wieder eine gute Stellung finden. Aber die Natur wäre nicht die Natur, wenn man sie nicht auch einfach nur genießen kann. Einmal über den Rand des Schlafgemachs geschaut und was sehe ich da? Nichts, sternenklare Nacht und der zunehmende Mond, den man schon fast mit einem Vollmond verwechseln könnte, strahlt über das gesamte Valley. Es ist einfach eine friedliche und einladende Atmosphäre. Aus meinem Rucksack ein paar Gummischlangen, welche ich zum Glück in Leh im Modern Bazar gekauft hatte, genommen und genossen, dazu ein bisschen Natur inhaliert und ein paar Zeilen gelesen bis ich in den Schlaf gefallen bin.

Stock 27.08. – Tag 2

Das Gesicht fühlt sich angenehm warm an, die Augenlieder fangen langsam an zu blinzeln und die ersten Sonnenstrahlen treffen auf deine Pupillen. Schlaftrunken nimmst du deine Umgebung wahr und merkst wo du gerade bist. Guten Morgen! Es ist morgens und ich habe ohne auch nur ein bisschen zu frieren die Nacht durchgeschlafen. Zum Frühstück gibt es den Rest vom Abend, aber es schmeckt noch genauso gut oder schlecht, wie man halt seine Denkweise ausrichtet. Ich fand es gelungen.  Zum vollwertigen Start in den Tag gab es noch Toast mit zerlaufenem Käse. Auch ohne Toaster machbar. Man benötigt nur das richtige Kochequipment, etwas Öl dazu und schon kann man auf dem Kocher auch toasten. Danach meine sieben Sachen zusammen gepackt, frisch gemacht und den Müll verbrannt den man zusätzlich mit dem Essen mit sich trägt. Auf geht es Richtung Namling La.

Mein Rucksack fühlte sich am Anfang des Tages gar nicht mehr so schwer wie am Vortag an und ich konnte gute Meter bis Kilometer hinter mich bringen. In den Bergen ist es aber relativ sinnlos von Kilometern zu sprechen. Jeder Weg ist anders und man kommt schneller oder langsamer voran. Also spricht man am besten von Stunden oder im besten Falle von Minuten. In den ersten Stunden habe ich den Weg richtig genossen. Die Landschaft ist sehr wüstenartig und umso höher man kommt wird die Vegetation natürlich spärlicher. Aber die einzigartigen Felsformationen entschädigen für alles.

Neben fotografieren, menschliche Bedürfnisse erfüllen und ab und zu über den schweren Rucksack fluchen, hatte ich das Glück noch einen wunderschönen Boulder direkt am Wegrand zu erklettern.

Wichtig war für mich immer viel zu trinken, auch wenn mal grad nicht der größte Durst bestand. Du schwitzt viel bei dem anstrengenden Weg und das Wetter in Ladakh ist auch eher warm und sonnig zu dieser Jahreszeit. Trinken, Flasche auffüllen und reinigen, laufen und trinken.

Auf dem Weg habe ich vereinzelt Leute oder kleine Gruppen getroffen. Man tauscht die üblichen Floskeln miteinander aus. Wer man ist, was man hier macht und wohin die Reise gehen wird. Meine Tagesetappe sollte mich heute über den Pass Namling La führen, leider wusste von meinen Wegbekanntschaften niemand etwas über einen Pass der Namling La heißt. Alle haben immer nur von einem Pass namens Stok La gesprochen. In meiner Karte nachgeschaut und leider keinen solchen Pass gefunden. Aber mit den Karten in Nordindien ist das so eine Sache. Jede hat andere Schreibweisen, zum Teil andere Namen und von den Entfernungen sprechen wir gar nicht erst. Manchmal führen ganze Straßen durch ganz andere Orte, aber das ist ja gerade auch der Reiz an der ganzen Geschichte. Auf jeden Fall führen beide nach Rumbak und dort will ich ja auch hinkommen. Also Karte eingesteckt und weiter ging es. Aus irgendeiner Ahnung habe ich meine Wasserflasche mit 0,5 Liter, was viel zu wenig ist, noch einmal ausgetrunken und aufgefüllt.

Nach geraumer Zeit war weder ein Fluss noch Bachrauschen mehr zu hören und die Luft wurde immer staubiger. Der Weg führte die letzten, wie auch kommenden Schritte, bergauf. Also anstrengend und somit war ich nicht unbedingt nicht durstig. Ich wusste, dass ich umkehren könnte um wieder Wasser zu bekommen, aber wer will schon den Rückweg einschlagen. Trotz der 80 bis 120 Meter Erhebung vor mir, man kann das in den Himalayas so schwer einschätzen, entschied ich mich weiter zu gehen.

Am Fuß des Passes habe ich noch ein Pärchen mit einem Guide getroffen.  Auf die Frage wo ich hier genau sei, sagte er mir am Stok La, den Namling La kennt er auch nicht. Ich fragte ihn wie weit es circa bis zum nächsten Gewässer sei. Ich müsste dazu über den Berg und dahinter geht es nochmal runter und nochmal über einen zweiten, welcher der Pass ist. Insgesamt also etwa zwei Stunden. Nicht erfreut über die Antwort habe ich mich mit meiner halbgefüllten Flasche und einem überfüllten Rucksack auf zwei weitere anstrengende Stunden gemacht. Aller zehn Meter habe ich mich auf meinen Trekkingstöcken ausgeruht für zehn tiefe Atemzüge und weiter ging es. Man spürt so richtig wie die Milchsäure in die Muskeln fährt und jeder Schritt zur Qual wird. Die Schultern schmerzten vom drückenden Gewicht und ich hatte das Gefühl das mein Gehirn schon nicht mehr richtig arbeitet, da der Rucksack meine Blutzufuhr abquetscht.

Meter für Meter ging es voran, immer einen markanten Stein in zehn oder zwanzig Meter Abstand im Auge. Bis dort hin und wieder zehn tiefe Atemzüge. Ich wusste nicht ob ich erbrechen, zusammenbrechen oder abbrechen sollte. Dies war wirklich der härteste Teil meines Lebens. Ich bin schon früher an meine Leistungsgrenze gegangen, aber dies hier in den Bergen war eine andere Situation. Obwohl es vielleicht nur Trekking ist. Als ich den ersten Gipfelpunkt erreicht hatte war ich so froh und hätte heulen können es geschafft zu haben. Aber gleichzeitig hatte ich das Gefühl mich dazu auch noch übergeben zu müssen. Wer mich schon einmal beim Klettern erlebt hat, wenn ich eine für mich schwierige Passage technisch oder psychisch geschafft habe, kennt die Spontanität meines Magens. Auf der einen Seite siehst du was du geschafft hast und auf der Anderen was du noch schaffen musst.

Es ging für vielleicht 10 Minuten bergab und dann wieder bergauf. Zehn Meter zehn Atemzüge Prinzip. Als Belohnung habe ich mir selbst meine Gummischlangen versprochen. Nur noch 50 Meter, dann geht’s nur noch bergab. Total erschöpft, überglücklich, aber auch über meine Dummheit mit nur einer kleinen Flasche hier zu trekken erzürnt, stand ich auf dem Stok La auf etwas über 5000 Metern.

Nach kleiner Pause ging es Richtung Rumbak, von dem man schon ein paar grüne Felder in der Ferne erkennen konnte, Talwärts.

Dennoch war es nicht weniger anstrengend. In jeder Serpentine habe ich Halt machen müssen um wieder richtig durchatmen zu können. Eine Stunde dauert der Abstieg in etwa, zumindest nach der Aussage des Guides. Und er hatte Recht behalten. Ich hatte eine Stunde gebraucht bis ich wieder ein Wasserplätschern hören konnte.

Jetzt einfach auf den Rucksack gelegt, etwas getrunken und eine geraucht. Für eine halbe Stunde einfach in der Sonne gelegen und etwas Musik gehört um wieder zu Kräften zu kommen.

Hat nichts gebracht, tat aber trotzdem gut. Mit meinem Wunsch draußen zu schlafen hatte es sich für mich auch erledigt. In Rumbak wollte ich einen Homestay aufsuchen, mich bewirten lassen und in einem richtigen Bett schlafen.

In Ladakh kann man sehr oft in einem Homestay übernachten, auch gibt es in regelmäßigen Abständen immer wieder die Möglichkeit etwas zu Essen oder zu Trinken zu kaufen. Sehr gut organisiert. Man muss aber dazu sagen, dass ich eine der bekanntesten und beliebtesten Trekkingrouten gewählt habe die es hier gibt.

Wieder aufgerappelt und Rucksack übergeworfen also auf den letzten Metern nach Rumbak. Wie es der Zufall so will, habe ich Berg ab einen französischen Trekker getroffen der mir entgegen kam. Er will zur Base vom Namling La sagte er mir. Ich erklärte ihm, dass ich dort eigentlich auch hin wollte, aber den Weg nicht gefunden habe, dass aber auch niemand den ich getroffen hatte, den Pass kennt. Das er existiert steht nun schon einmal fest, wenn zwei verschiedene Leute ihn suchen. Wir sind uns dann aber einig geworden, dass es für heute zu spät ist um ihn noch zu überqueren. Der einzige Campinggrund den ich in den letzten Stunden gesehen habe liegt direkt vor uns. Weiter Richtung Stok La gibt es nur Felsen, unebenes Gelände und kein Wasser. In wenigen Minuten war entschieden, dass wir die Nacht gemeinsam verbringen werden. Er hatte ein Zelt und wie sich heraus stellte kann ich von ihm noch viel lernen, da er ziemlich erfahren im trekken ist. Sylvia und ich haben uns perfekt ergänzt. Er hatte Nudeln und Suppe als Verpflegung dabei und ich habe mein frisches Gemüse, oder sagen wir zu dem Zeitpunkt lieber Gemüse beigesteuert. Alles zusammen gemixt hat unser Abendessen ergeben.

Nach einem anstrengenden Tag schmeckst du jedes Gewürz und freust dich über jeden Geschmack. Es stellte sich heraus, dass er die letzten Tage etwas verschollen gewesen ist. Er wusste nicht so recht wo er gewesen ist und muss wohl eine falsche Abzweigung genommen haben. Nach drei Tagen hat er dann wieder Zivilisation erreicht und jetzt sitzen wir gemütlich an einem sehr kalten Abend zusammen. Ich kann auch seine Freude über Gemüse und Salz nachvollzeihen. Wenn du drei Tage fast nur Magginudeln isst, bist du über jede Abwechslung dankbar und da versteht sich, dass ich ihm etwas Salz auf seine Reise mitgegeben habe.

Seit vielen Jahren bereist er nun schon Ladakh und war die Wochen zuvor sogar als Guide mit einer Gruppe unterwegs. Auf diesem Trek möchte er auf den Stok Kangri einen 6153 Meter hohen Berg. Dies ist ein Trekkingberg, bei dem man den Gipfel eigentlich ohne technische Schwierigkeiten erreicht und er ist der meist bestiegene 6000er Indiens. Dennoch ein schönes Projekt und wenn er Glück hat, kann er ihn sogar bei Vollmond besteigen. Etliche Geschichten, Zigaretten und sogar einem Kaffee später haben wir uns zeltfertig gemacht. Diese Nacht wird wirklich kalt, dass konnte man schon gegen 20Uhr spüren. Ich war so dankbar über sein Zelt und bin mit kompletter Montur in meinen Schlafsack gekrochen. Nicht einmal die Kälte konnte mir jetzt noch etwas antun.

Rumbak 28.08. – Tag 3

Die Nacht über hat es ein bisschen geregnet. Zwar regnet es in Ladakh um diese Jahreszeit nicht oft, aber wenn, dann ist es schon angenehmer in einem Zelt zu schlafen und nicht direkt unter freiem Himmel. Nach dem Aufstehen beginnt man den Tag am besten mit einem Frühstück.

So gesagt, so getan. Sylvia war nochmals überrascht vom ausgiebigen Angebot. Sein Frühstück besteht normalerweise aus Keksen und Kaffee. Heute gab es noch Toast mit Käse dazu und er hat gegessen, gegessen und gegessen. Natürlich mit der gleichen Charme wie ich von seinem Kaffee getrunken habe. Keiner möchte so aussehen, als würde er dem anderen etwas wegnehmen wollen, doch jeder gibt was er hat und das dem anderen zu erst. Ich bin ganz relaxt in den Tag gestartet, da ich von Sylvia wusste, dass der Weg zur Base vom Ganda La nur etwa drei bis vier Stunden dauern würde. Das Ziel liegt auf 4300 Meter und ist ein weißes Zelt in dem man alles kaufen kann was man so zum Leben benötigt plus Krimskrams den man nicht braucht.

Für meinen Mitstreiter geht es heute weiter zum Namling La. Keiner von uns weiß so richtig welchen Weg er einschlagen sollte, doch er wird das schon schaffen. Nachdem ich meine Sachen zusammen gepackt hatte ging es mit beruhigtem Gewissen über meinen Rucksack weiter auf meiner Reise. Zum Glück habe ich jemanden getroffen der nicht nur die Gegend etwas kennt, sondern auch Kenntnisse über Equipment mitbringt. Sylvia hat meinen Rucksack richtig eingestellt, so dass nicht mehr das ganze Gewicht auf meinen Schultern liegt, sondern auf der Hüfte, was wesentlich weniger schmerzhaft ist. Der Anfang meiner Tagesetappe ging für eine halbe Stunde bergab und führte direkt nach Rumbak.

Danach ging es wieder leicht aufwärts zum Basecamp. Der Weg fühlte sich mit meinem bestens eingestellten Rucksack so angenehm an. Natürlich drückte er immer noch etwas, was bei dem Packgewicht aber auch ganz normal ist, dennoch bin ich zügig vorangekommen. Nach vielleicht zwei Stunden habe ich Yuruche erreicht. Ein Dorf mit einem Haus, welches ebenso als Homestay genutzt wird.

Vierzig Minuten später habe ich dann das Base vom Ganda La erreicht. Im Zelt arbeitet und lebt eine Person die sich um alles kümmert.

Für 500Rs  habe ich eine Nacht in einem Zelt, Lunch, Dinner und Breakfast gebucht. Dazu kamen noch Bier und Chips. Das ist zwar nicht die typischste Backpackingverpflegung, aber ich reise wie ich möchte. Die höchste Dusche meines Lebens habe ich auch gleich im Fluss neben an über mich ergehen lassen. Für die Beschreibung reicht ein Wort. Kalt!

Den Rest des Nachmittages habe ich mit Blick auf den Stok Kangri und den Ganda La, einfach in der Sonne entspannt und ein paar Minuten gefunden diese Zeilen zu schreiben. Ich bin für heute wohl der einzigste im Camp und denke, dass dies auch so bleiben wird, zumal es jetzt auch noch mit regnen anfängt.

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